Ein Hauch von Hollywood in Schleswig

06.12.2018

Dr. Giovanni Vindigni: Musikproduzent, Musiker, Medienökonom, Theologe

So wird heute Musik produziert. Kein einziges Instrument mehr da. Fotos: Müller

Liest man …
•  Wirtschafts-
    Wissenschaftler
    Management
    Studies/Marketing
    (Doktorand an der Comenius Universität,
    SK bis Q2/2019)
•   Medien- und Kommunikationsmanager (MBA)
•   Theologe (Dr. theol., Ph.D., Mag. theol., M.Th.)
•   Honorarprofessor für Medienökonomie an der  Euregio University
•   Golden Key International
     Honour Society – Lifetime Membership …

und erfährt man dann noch, dass Giovanni Vindigni gerade an seinem dritten Doktortitel arbeitet, bekommt man schon Respekt und fragt sich, ob man überhaupt in der Lage ist, über so einen Menschen und seine Arbeit zu schreiben.
Viel zu umfangreich erscheint das Spektrum seiner Tätigkeit. Dazu gehören die konzeptionelle Mitarbeit an quotenerfolgreicher, nominierter und preisgekrönter Formate oder auch die Vertonung und das Audiofacedesign zahlreicher internationaler Games, die in den Top 10 sind. Nicht zu vergessen das Soundbranding und die Konzeption akustischer Markenführungen und Werbespots.
Wir haben Dr. Giovanni Vindigni zu Hause, bei Schleswig, besucht und haben, bei all den Fachbegriffen, die auf seiner Homepage unter Laien für Verwirrung sorgen, einen ganz normalen, freundlichen und aufgeschlossenen Mann kennengelernt.
Vindigni, 1972 in Essen als Halbitaliener geboren, bezeichnet sich heute als Kulturdesigner. Als studierter Musiker, Musiklehrer, ordinierter Theologe, Medienökonom – die Liste der Abschlüsse und Qualifikationen ist lang – hat er viel erlebt, gelernt und zu berichten. „Ich bin da irgendwie so reingerutscht, in die Sache mit der Vertonung von Videoberichten und Computergames, als ich noch redaktionell gearbeitet habe. Und als der Kunde merkte, dass ich es irgendwie anders mache und der Rezipient (Kunde) es besser annimmt, wurde ich quasi entdeckt.“ Seinen Durchbruch hatte Vindigni mit der Vertonung des Games „Desperados“ im Jahre 1997.
Wenn man überlegt, dass dieser Mann mal Theologie studiert hat, ordinierter Theologe, somit Pastor ist, kann man kaum glauben, dass die gleiche Person die Musik zur Dokumentation „Der Kannibale von Rothenburg“ geschrieben hat.
Die theologische Basis ist es, was ihm in seinen Aufgaben aber auch immer wieder hilfreich ist.
Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, warum bei Apple ein angebissener Apfel das Symbol ist? Der angebissene Apfel steht für die Versuchung.  Und so finden sich in der Werbewelt ganz viele Bezüge zur Bibel, zum Glauben.
Für was steht Glaube? Für das sich verlassen können in der Hoffnung auf Gutes. Und genau so funktioniert auch Werbung. Wir sollen glauben. Glauben, dass wir das Beste kaufen. Die Medien haben sehr schnell herausgefunden, dass für das GLAUBEN die auditive Wahrnehmung eine große Rolle spielt. Die richtige Musik, das richtige Geräusch zum Produkt und wir vertrauen.  
Wir alle kennen die 5-Töne-Werbung von der Telekom. Nur 5 Töne und der Rezipient weiß, um was es geht.  5 Töne und die Farbe Magenta – das nennt sich Branding – das Einbrennen bestimmter Informationen in unser Gedächtnis.  Leute wie Vindigni finden im Rahmen ihrer Forschung heraus, was uns wie beeinflusst, welche Töne wir mögen, was wir damit assoziieren und was man alles falsch machen kann in der Werbung. Der visuell beste Werbespot erreicht nichts, wenn die Musik oder die Töne dazu nicht passen. Wir nehmen vieles visuell war, noch mehr aber auditiv. Die Ohren kann man nicht verschließen.
„Es darf nicht reizen, soll aber reizend schön sein“.  Der Rezipient soll nicht überfordert werden. Gewünscht ist ein emotionaler Mehrwert, nach dem Motto „Geht ins Ohr – bleibt im Kopf“. Es gibt durchaus Töne, die wir nicht mögen, Töne, Geräusche, die negativ besetzt sind.  Selbst kulturelle Unterschiede müssen dabei bedacht werden.
Dies richtig zu machen, richtig zu vertonen, die Möglichkeiten zu entdecken, das ist eine der vielen Tätigkeitsfelder von Giovanni Vindigni.  Seinen Studenten an verschiedenen Hochschulen in Karlsruhe, Mannheim oder Hamburg zu erklären, wie das alles funktioniert, ist eine weitere Aufgabe, die er als Dozent mit großer Leidenschaft wahrnimmt.  
Immer wieder neue Projekte, allein 400 Computergames hat er vertont, zahlreiche TV-Produktionen zusammen mit Günter Stampf, einem  österreichischen Fernseh- und Filmproduzent, Dokumentarfilmer, Autor, Regisseur, Unternehmer und Gründer der Firma Stampfwerk, einem bekannten Medienunternehmen umgesetzt.
Das Thema Marketing liegt Vindigni besonders am Herzen. Noch immer hätten viele Firmen nicht erkannt, dass sich die Gesellschaft, unser Medienverhalten komplett verändert habe und man mit den alten Methoden von AIDA Attention-Interest-Desire-Action (Aufmerksamkeit-Interesse-Verlangen-Handlung)  nicht mehr beim Kunden ankommt. Der Kunde heute ist bestens informiert und handelt ganz anders als früher.
Es gibt so vieles, was man beim Marketing beachten muss, um die richtige Wirkung zu erzielen. Leider gäbe es viel zu wenige Hochschulen, an denen Studenten entsprechend ausgebildet werden. Besonders bedauerlich findet Vindigni, dass es in Schleswig-Holstein keinerlei Institution gibt, an das derartige Wissen vermittelt werde. Seit geraumer Zeit setzt er sich deshalb dafür ein, dass in seinem Lieblingsbundesland eine entsprechende Hochschule geschaffen wird und sucht nach Mitstreitern.
Ich bin sicher, wir werden noch viel von Dr. Giovanni Vindigni hören, teilweise ohne es zu wissen.
(Beate Müller)

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