UPCYCLING mal anders

06.12.2018

Wie alte Flaschen zum Leuchten gebracht werden

 

Ganz neue Wege beim sogenannten „Upcycling“ gehen Claudia Ruppel (33) und Joe Louis Schäfer (25); aus alten Flaschen werden stylische Lampen. Eine gar nicht so abwegige Idee, wenn man sieht, wie viele schöne Flaschen es mittlerweile gibt, die dann aber immer im Altglas landen.
Die Idee ist dann tatsächlich auch aus einer Weinlaune heraus geboren, als sich die beiden am Strand kennenlernten und die gemeinsam geleerte Flasche Wein übrig war.
Joe ist gelernter Elektriker und frisch gebackener Meister und Claudia (eigentlich Wellnessleitung des Beach Motel in Sankt Peter-Ording) hat viele kreative Ideen – zwei Eigenschaften, die sich hier perfekt verbinden lassen. So wurde die Idee weitergesponnen und beide hatten ein gemeinsames Hobby für die vielen Schietwetter-Tage insbesondere in der kalten Jahreszeit.
Dies hört sich erstmal leicht an – bis hin zur ersten Lampe waren aber doch viele Versuche von Nöten, denn Joe musste sich Gedanken machen, wie die Elektrik nun in die Flasche gelangt. Die ersten Versuche mit dem Akkuschrauber waren schnell zum Scheitern verdammt und es wurde eine Standbohrmaschine angeschafft, um die Löcher zu bohren. Ebenso nahm die Suche nach passenden und zertifizierten Schaltern und Fassungen viel Zeit in Anspruch, genau wie das Finden der passenden Textilkabel oder auch Leuchtmittel. Nach und nach wurden alle Komponenten aufeinander abgestimmt und immer wieder optimiert um ein absolut hochwertiges Produkt herstellen zu können.
In der kleinen aber feinen Werkstatt der beiden mitten in Sankt Peter-Ording reiht sich ein Schmuckstück ans Nächste. Und viele Flaschen, die darauf warten, eine ganz besondere Lampe zu werden. Joe und Claudi’s Arbeitstische stehen direkt nebeneinander – so können sie sich optimal ergänzen. Überall ist Material zu sehen – verschieden bunte Strippen, Glühlampen, eine Tafel mit Schriftarten für Gravuren, Gläser mit Steinen und Dekomaterial, Farbtöpfe und Pinsel. Die kreative Atmosphäre springt schnell über und am liebsten möchte man sich eine der vielen schönen Fla-schen aussuchen und anfangen zu kombinieren … Klar, dass sich Joe und Claudi da nicht lange bitten lassen und kurzerhand eine weitere schöne Flasche ausgesucht wird, die nun ihren Verwandlungsprozess beginnen darf:
Während Joe mit der Elektrik beschäftigt ist, macht sich Claudi Gedanken um das Design: Oft spielt bereits das Label der Flasche eine wichtige Rolle, um die Farbgebung anzulehnen. Das Textilkabel wird farblich passend ausgesucht und der Lampenschirm wird anschließend gestaltet – ob gestrichen, mit Strukturpaste oder Glitzer; Grenzen gibt es keine. Die Gestaltung des Lampenschirms nimmt bis zu 2 Tage in Anspruch – je nachdem, welche Techniken Claudia verwendet, um verschiedene Effekte zu erzielen.
Zu guter Letzt kommen dann z. B. bunte Steine, Natursteine oder andere Dekomaterialien in die Flasche – alles aufeinander abgestimmt, bis am Ende ein stilvolles Unikat entsteht. In diesem Fall eine Flasche mit „Sturmflut“ Label, die mit grauem Kiesel halb gefüllt ist und mit einem hellblauen Textilschirm getoppt wird.
Die leeren Flaschen beziehen Claudia und Joe übrigens von Freunden, aus Restaurants oder Bars, wo sie sowieso im Container gelandet wären. Aber auch Sonderanfertigungen mit eingeschickten Flaschen sind sehr beliebt: Ob nach einer besonderen Feier mitgenommen oder von einer Reise mitgebracht, Claudi und Joe machen daraus besondere Erinnerungsstücke.
Nach einer besonderen Geschichte gefragt, erzählt Claudi mit glänzenden Augen von einer älteren Dame, die von Ankerlicht erfahren hat und ihnen eine alte Weinflasche vorbeibrachte. Diese hat sie vor über 50 Jahren aus Italien mitgebracht und es steht eine Telefonnummer auf dem Label. Der Anfang einer Liebe, die nun bereits Goldene Hochzeit feiert. Ein Anlass, zu dem die Dame die Flasche für ihren Mann in eine Lampe umbauen ließ. Die Telefonnummer wurde graviert und somit für immer erhalten – das ist wohl an Romantik kaum zu überbieten.
Unter den Bildern, die man auch bei Facebook oder Instagram bestaunen kann, fällt das eines Steinkrugs auf, aus dem ebenfalls ein Ankerlicht wurde. Angesprochen auf dieses erzählt Claudi die Geschichte einer älteren Dame aus Glücksburg, die einen Bericht über Ankerlicht in der Zeitung gelesen hat und ihre Tochter bat, per E-Mail mit Claudi und Joe in Kontakt zu treten. Sie sollte fra-gen, ob auch ein Steinkrug in eine Lampe verwandelt werden könne. Nachdem alles besprochen war, fuhr die Dame dann selbst mit dem über 100 Jahre alten Steinkrug ihrer Mutter nach Sankt Peter-Ording und besprach ihre Wünsche mit dem Ankerlicht Team. Insbesondere Joe kann sich noch lebhaft daran erinnern, wie er Blut und Wasser geschwitzt hat, als er die Bohrung für das Ka-bel gesetzt hat – einen so alten Krug mit Geschichte hat man nicht immer unter den Händen und da etwas falsch zu machen wäre fatal. Aber alles ist gut gegangen und Claudi und Joe haben das neue Ankerlicht dann gleich persönlich nach Glücksburg gebracht, damit dem guten Stück dann nicht noch was auf dem Postweg passiert. Der alte Krug erstrahlt nun im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Glanz!
Solche Geschichten sind zwar nicht ganz alltäglich, machen aber den Reiz des Ganzen umso größer. Genau wie das ein oder andere Missgeschick, das dann aber mit viel Kreativität einfach in eine neue Designidee verwandelt wurde; aus einer beim Herstellungsprozess zerbrochenen Flasche, die Joe direkt wegschmeißen wollte, kreierte Claudi einfach eine Hängelampe. Mittlerweile sind diese Hängelampen fest im Programm und wie man am besten einen Flaschenboden rausbricht, haben die zwei kreativen Köpfe auch ausgetüftelt.
Wer nun an die ein oder andere besondere Flasche in der eigenen Hausbar denkt oder eine bereits fertige Flasche erwerben möchte, kann sich über www.ankerlicht.de mit Claudia oder Joe in Ver-bindung setzen – und schon bald hält man dann das eigene einzigartige Ankerlicht in den Händen. (Janine Casarin)


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