Theda Hatlapa

15.10.2018

Die gute Seele im Wildpark Eekholt

Die gute Seele und Umweltpionierein Theda Hatlapa und Geschäftsführer Wolf-Gunthram Frhr. v. Schenck. Foto: Wolf v. Schenck/Wildpark Eekholt

Dr. h. c. Hans-Heinrich Hatlapa und Ehefrau Theda

Hans-Heinrich Hatlapa und Heinz Sielmann waren gute Freunde

Theda Hatlapa. Foto: Schlüter

Der Wildpark Eekholt, am Nordrand des Segeberger Forstes zwischen Bad Bramstedt und Bad Segeberg gelegen, gehört mit jährlich 260.000 Besuchern zu den beliebtesten Ausflugszielen des Landes. Eingebettet in die reizvolle Landschaft der Osterau bietet der Park auf einer Fläche von 67 Hektar die Begegnung mit 700 heimischen Wildtieren aus rund 100 Arten. In großzügigen, naturnahen Gehegen können unter anderem Otter, Hirsche, Wildschweine und Wölfe beobachtet werden.
Außerdem bietet der Park viele Angebote, zu denen Flugvorführungen der Falkner ebenso zählen wie die interaktive Wolfsmeile und die spannenden Bildungsangebote der Wildparkschule. Im Programm finden sich zudem vielfältige Thementage und Publikumsmagneten wie zum Beispiel die magischen „Dunkel-Munkel-Nächte“ und das mittelalterliche Wikingerlager an den Osterauwiesen.
Zu verdanken ist dieser einzigartige Naturerlebnisraum Dr. h. c. Hans-Heinrich Hatlapa (verstorben 2009) und seiner Ehefrau Theda, die ihr „persönliches Paradies“ 1970 offiziell für Besucher öffneten.
Eigentlich hatte Hatlapa einige Jahre zuvor ein Forschungsgehege gesucht. Doch als er auf das idyllische Fleckchen Eekholt stieß, erwarb er kurzerhand den heruntergekommenen Hof samt 18 Hektar Land. „Tal der Hirsche“ war die ursprüngliche Bezeichnung des Wildparks. Denn der passionierte Forscher Hans-Heinrich Hatlapa baute hier zunächst einen Forschungsstützpunkt für Rothirsche auf. Häufig wurde dieser von renommierten Wissenschaftlern genutzt und der legendäre Tierfilmer Prof. Heinz Sielmann und seine Ehefrau Inge wurden zu engen Freunden der Familie.
„Die Begriffe Umweltbildung oder gar Umweltpädagogik lagen damals noch in weiter Ferne. Doch wir wollten den Menschen die Grundlagen der Natur näherbringen. Viele wussten ja gar nicht, welche speziellen Aufgaben die Tiere in unserem Ökosystem haben, geschweige denn, was einen Rehbock von einem Hirsch unterscheidet“, erzählt die 89-Jährige. Eine zeitlose Feststellung; auch heute kann längst nicht jeder das Kaninchen von einem Feldhasen unterscheiden.
Für ihren Traum haben die Hatlapas viele Jahre mit beharrlichem Durchhaltevermögen argumentiert und gekämpft. Denn in den 60er und 70er Jahren hatte der Umwelt- und Naturschutz noch keine nennenswerte Lobby. Deshalb gilt Hatlapa auch heute noch als Pionier im Bereich der Umweltbildung.
Mit der Weiterentwicklung des Wildparks stiegen allerdings auch die Kosten. „Wir merkten bald, dass wir Unterstützung für die Umweltpädagogik und den Artenschutz benötigten“, berichtet Theda Hatlapa. „Mein Mann und ich hatten jedoch einen großen Freundeskreis, in dem unser Anliegen große Zustimmung erhielt. So kam es schließlich 1976 zur Gründung des Förderungsvereins Wildpark Eekholt e. V., ohne den es Eekholt in seiner heutigen Form nicht geben würde“, betont sie.
Letztlich hat sich der andauernde Einsatz gelohnt. „Die Vision meines geliebten Mannes, mit dem Park der Entfremdung der Menschen von der Natur entgegenzuwirken, hat sich erfüllt. Das macht mich dankbar“, erklärt die Gründerin.
Allerdings hätte das Leben der 1929 geborenen, gebürtigen Gräfin Theda Marie Edelgard Finck von Finckenstein – ein Adelsgeschlecht aus Ostpreußen – ganz anders verlaufen können. Doch der Krieg veränderte ihre Biografie. Die junge, zielstrebige Frau, in deren Familie die Naturverbundenheit eine große Rolle spielte, lernte zunächst Landwirtschaft und ländliche Hauswirtschaft und wurde nach ihrer sechsjährigen Ausbildung Lehrerin an der Landwirtschaftlichen Schule Kaltenkirchen.
Ebenso wie ihr engagierter Ehemann „Heiner“, der mehr als 40 Jahre die 1919 von seinem Vater gegründete Hatlapa Uetersener Maschinenfabrik leitete, hatte auch Theda Hatlapa als Ehefrau ein besonders herzliches und liebevolles Verhältnis zu allen Mitarbeitern.
Das Ehepaar liebte die Natur, und beide waren keine Stadtmenschen. So lebt Theda Hatlapa seit fast 70 Jahren mit ihrer Familie in Eekholt, umgeben von hilfreichen, herzlichen Nachbarn und als ein Teil der wunderschönen Gemeinde Großenaspe, die besonders durch ihre Katharinenkirche (gegründet von der russischen Zarin Katharina II) mit der hervorragenden Akustik sowie den von Prof. Ernst-Ulrich von Kameke ins Leben gerufenen Orgelkonzerten überregional bekannt geworden ist. Die herzliche Verbundenheit zwischen Gemeinde und Eekholt drückt sich auch darin aus, dass Bürgermeister Torsten Klinger jetzt schon in der zweiten Amtsperiode den Vorsitz des Förderungsvereins übernommen hat.
Theda Hatlapa und ihr Mann wagten 1961 den großen Schritt eines Lebens mitten im Segeberger Forst – heute würde man sie „alternative Aussteiger“ nennen. Von da an hieß es für den beliebten Chef jeden Tag zwischen Eekholter Wald und Uetersener Werk pendeln. Seine Frau übernahm derweil die Leitung des Eekholter Familienbetriebes, zu dem Christoph und Peter (Hatlapas Söhne aus erster Ehe) sowie die Kinder Hubertus und Gabriele zählten.
Zum größten Teil wurde auf Selbstversorgung gesetzt: backen von Demeter Roggen/Weizenbrot im Eekholter Backhaus, Gemüseanbau, Hühnerhof und Imkerei. „Das waren manchmal abenteuerliche, immer arbeitsreiche, aber dennoch großartige Jahre. Wir genossen unser Landleben mit der Familie und vielen internationalen Gästen“, schwärmt Theda Hatlapa. Durch die gemeinsame vorbildliche Arbeit des Gründerpaares entwickelte sich der Wildpark Eekholt kontinuierlich zu der heutigen beliebten Naturerlebnisstätte und Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit.
Für die zierliche Dame ist der tägliche Rundgang mit ihrem bayerischen Gebirgsschweißhund zu den Wildgehegen ein Herzensanliegen. Auf die Nachfrage, ob ihr die Besuche bei Hirsch und Wolf nicht mitunter zu anstrengend werden, lautet dann auch ihre Antwort prompt: “Ich programmiere mich immer positiv. Und solange ich der Natur und den Menschen dienen kann, geht es mir gut.“ Außerdem genießt es „die gute Seele des Parks“, Besucher persönlich in Eekholt willkommen zu heißen. „Oft werde ich von Besuchern angesprochen, die von früher mit ihren Kindern und heute mit den Enkeln die Weiterentwicklung des Wildparks seit seiner Gründung interessiert verfolgen. Ein größeres Kompliment kann man doch gar nicht bekommen“, erklärt die Senior-Chefin mit einem strahlenden Lächeln.
Staatliche finanzielle Hilfe erhält der Wildpark Eekholt übrigens bis heute nicht. Er ist nach wie vor ein Privatbetrieb mit mittlerweile 40 festen Mitarbeitern, darunter Auszubildende und junge Menschen im freiwilligen Ökologischen Jahr sowie im Öko-Bundesfreiwilligendienst. Je nach Saison kommen außerdem bis zu 60 Aushilfskräfte dazu.
Mit Wolf-Gunthram Frhr. v. Schenck hat Theda Hatlapa seit mittlerweile 16 Jahren einen Geschäftsführer an ihrer Seite, der mit Engagement, vielseitiger Ausbildung und Kompetenz und großartigem sozialen Verhalten ihr volles Vertrauen genießt. Die Wildparkleitung ist also in allerbesten Händen. Denn mit der Tierärztin Isabelle Mahnert (Tochter von Gabriele), eine der 14 Enkelkinder von Heiner und Theda Hatlapa, ist inzwischen eine neue, kompetente Parkinhaberin herangewachsen.
Doch Theda Hatlapa wird, solange ihre Kräfte reichen, nicht müde werden, den besonderen Eekholter Geist weiterhin zu vermitteln.

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