Kostbares Strandgut

15.10.2018

Edda Raspé sammelt und verarbeitet Steine vom Strand zu Schmuck

Gemeinsam mit Sohn Jonas übt Edda Raspé eines der ältesten Handwerke aus - die Goldschmiedekunst. Fotos: Weide

Edda Raspé lebt auf der wohl schönsten Insel Deutschlands. Auf Sylt in Morsum hat die Goldschmiedin ihr Domizil. Im Grünen eingebettet und unter Reet – einfach malerisch. Hier lebt die 70-Jährige und hier arbeitet sie auch. Gemeinsam mit Sohn Jonas führt die Powerfrau hier eines der ältesten Handwerke aus – die Goldschmiedekunst. Jedes der Edelmetallstücke trägt die ganz unverwechselbare „Handschrift“ der Künstlerin. Ob Ring, Halskette oder jedes andere Schmuckstück – jedes Stück ist ein Unikat oder wird sogar auf Wunsch des Kunden individuell hergestellt.
Während Edda Raspé uns ihr Allerheiligstes zeigt, erscheint eine Kundin und sucht unter den Ausstellungsstücken ihr Lieblings-Kleinod aus. Erst in der Werkstatt, dann geht sie in den grünen mit Blumenbeeten und Skulpturen verschönten Garten, setzt sich auf die Bank und betrachtet das Schmuckstück bei natürlichem Licht unter freiem Himmel. Und gerade das ist Edda Raspé und ihrem Sohn so wichtig: „Der Kunde soll in aller Ruhe schauen und aussuchen. Immerhin begleitet ihn so ein Schmuckstück sein Leben lang.“
Die gebürtige Staderin kam 1970 auf die Insel. „Anfangs lebten wir in Keitum. Dort waren sehr viele Kunsthandwerker ansässig. Dann bekamen wir die Chance, dieses Haus zu kaufen, und haben natürlich sofort zugeschlagen.“ Sie liebt das große Haus, in dem sie mit ihrem Sohn und dessen Familie lebt und den großen Garten, der liebevoll bepflanzt und geradezu bilderbuchmäßig ausschaut, sowie die gackernden Hühner, die hinter dem Friesenhaus für Leben sorgen.
Edda Raspé kommt aus einer Goldschmiedefamilie, in der die Liebe zu diesem Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Wer ein ganz besonderes Schmuckstück sucht oder ein persönliches Unikat aus Sylt mit nach Hause nehmen möchte, wird bei der Goldschmiedin fündig. Denn an der Werkbank werden nicht nur einzigartige „Kostbarkeiten“ aus Gold und Silber gefertigt, sondern auch mit Edelsteinen, was nicht außergewöhnlich ist, aber auch mit ungewöhnlichen Materialien besetzt – nämlich in faszinierender Handarbeit geschliffene Findlinge vom Sylter Strand. Kistenweise trägt sie die gefunden Steine nach Hause. Oftmals kaum zu erkennen, welche Schönheit sich im Inneren des harten Stückes verbirgt. „Mal ist es unscheinbarer Granit, Feuersteine in den Friesenwällen oder Bernsteine am Strand, die ich aufsammele“, berichtet sie. Grau und unscheinbar landen sie in der Werkstatt, jedenfalls solange bis Edda Raspé diese Steine bearbeitet: „Ich liebe es, sie aufzusägen, ihnen Formen zu geben und das eigentlich nicht sehr wertvolle Material zu einem prachtvollen Stein werden zu lassen.“ Sie habe einen Blick für die „richtigen“ Steine, sagt die Kunsthandwerkerin. Manchmal seien es auch Kunden, die selbst einen Stein gefunden haben und bei ihr zur Bearbeitung vorbeibringen: „Vielleicht hängen sogar Erinnerungen an dem Stein, wer weiß. Auf jeden Fall ist kein Naturstein wie der andere – also jeder ein unverwechselbares Einzelstück.“
Das Bearbeiten so eines Steines ist aufwendig. Erst muss der „Findling“ sorgfältige aufgesägt werden. Danach kittet Edda Raspé diesen an einen Stab und schleift den Stein in vielen Arbeitsschritten so lange bis er glänzend ist. „Auch wenn es am Ende so aussieht: Kein Stein ist lackiert, lediglich poliert“, betont sie und fügt hinzu: „Zudem werden diese Steine auch nicht in die entsprechende Fassung geklebt, sondern handwerklich perfekt eingefasst.“ Es ist eben nicht einfach nur ein Stein. Für Edda Raspé „lebt“ dieser in seiner ganzen Schönheit. „Und es ist jedes Mal eine Überraschung, in welchem Aussehen er sich präsentiert. Mal ist es ein Sternenhimmel, ein anderes Mal ist es ein Leopardenfell. Auf alle Fälle ist es immer einzigartig und umwerfend schön.

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