3D Innovative Idee aus Nordfriesland

22.08.2018

Armschäfte aus dem 3D-Drucker

Foto: Björn Martensen

Foto: Schlüter

Foto: Schlüter

PHILIPP BARLUSCHKE kam ohne rechten Unterarm auf die Welt. Mit den Prothesen, die ihm im Laufe seines Lebens angepasst wurden, konnte sich der heute 30-Jährige nie anfreunden. Irgendwann reichte es ihm und er wurde selbst zum Entwickler. Mit überraschend großem Erfolg, denn die von ihm entwickelten Schäfte haben den Alltag vieler Prothesenträger mittlerweile positiv verändert und ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert.
Aus Gesprächen mit anderen Betroffenen und aus eigener Erfahrung weiß Philipp Barluschke, dass Armpro-thesen-Träger fast immer die gleichen Probleme haben: Ihre herkömmlichen Prothesen sind meist sehr hart und von der Passform her oft suboptimal. Als besonders belastend beschreiben viele den durch das Vollgussverfahren bedingten Hitzestau auf der Haut und dass die Oberfläche sehr anfällig für Bakterien ist. „Wenn man schwitzt, fängt die Prothese schnell an zu müffeln und man verliert die Motivation, sie weiterhin zu tragen“, so die allgemeine Erfahrung. Daran konnten auch all die vielversprechenden Techniken nichts ändern, die im Laufe der Zeit an ihm ausprobiert wurden: „Nichts davon überzeugte mich wirklich“, erinnert sich Philipp Barluschke.
Da Aufgeben für ihn aber nie eine Option war, machte er sich schließlich selbst an die Arbeit. Drei Jahre be-schäftigte er sich mit der Frage, wie eine Prothese gefertigt sein muss, damit sie Tag für Tag problemlos getragen werden kann. Besonders intensiv arbeitete er an der Entwicklung eines Schafts, der – als wichtigstes Verbindungsteil zwischen Körper und Prothese – verhindern soll, dass sich die Wärme staut. Bei der praktischen Umsetzung kam dem jungen Nordfriesen seine Ausbildung als CNC-Fräser und CAD-Designer zugute: Mit Hilfe eines 3D-Druckers produzierte er einen neuartigen Prothesen-Schaft, der seine Erwartungen voll und ganz erfüllte.
Und weil er wollte, dass auch andere Betroffene in den Genuss dieser Innovation kommen können, machte Philipp Barluschke aus seiner Idee kurzerhand ein Business namens „Barluparts 3D Orthopädietechnologie“. Mittlerweile ist das Unternehmen als Dienstleister für Sanitätshäuser tätig, die ihre Kunden wie gehabt mit Pro-thesen versorgen. Der Unterschied besteht darin, dass diese nun mit den komfortablen Barluparts-Schäften ausgestattet werden können. Das Sanitätshaus liefert dafür die Grunddaten als Vorlage, dann setzt sich Barlu-schke persönlich an den Computer und beginnt zu modellieren … eine Arbeit, die viel Erfahrung und Finger-spitzengefühl erfordert.
Für die Produktion der Schäfte kommen spezielle 3D-Drucker zum Einsatz, die im Ergebnis individuelle Unika-te fertigen. Diese werden von Barluschkes Mitarbeiter, Orthopädietechniker Felix Wietzke, noch etwas nachbearbeitet, bis der auf Kautschukbasis gefertigte und mit einem Kühlsystem ausgestattete Schaft rundum perfekt ist. „Die Wärme kann sich nicht mehr stauen und der Hautschweiß wird mit einer Art Lotuseffekt abgeleitet. Der Schaft ist antibakteriell und biozertifiziert“, zählt Barluschke die Vorzüge dieses Schafts auf, der an den emp-findlichen Stellen Pufferzonen bekommt, die für zusätzlichen Tragekomfort sorgen.
„Meine eigene Prothese kann ich mittlerweile den ganzen Tag tragen, ohne dass sie mich in irgendeiner Form nervt. Das ist ein echtes Plus an Lebensqualität“, sagt der findige Nordfriese und freut sich, dass das Interesse an seinen Produkten spürbar wächst. Seit Anfang 2018 betreibt er im Zentrum von Bredstedt ein Geschäft, das seinem Business einen professionellen Rahmen gibt. Für seinen Pioniergeist erhielt er anfangs über Facebook viel Zuspruch, inzwischen ist aber auch die Fachwelt auf ihn aufmerksam geworden. Die Krankenkassen ha-ben seine Produkte übernommen, so dass sich nun jeder Patient die beste Armprothese fertigen lassen kann, die es derzeit am Markt gibt … die mit dem Komfort-Schaft aus dem Hause Barluparts 3D. Dabei schließt der Jungunternehmer nicht aus, dass über kurz oder lang auch neuartige Schäfte für Beinprothesen und plastische Rekonstruktionen für Furore am Markt sorgen könnten – made in Nordfriesland.                                                                                                    (Silke Schlüter)

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