Galerie Lüth:

30.05.2018

Kunst muss berühren

Hans-Heinrich Lüth hinter der Menina“-Skulptur, dem Kernstück der Vogler-Ausstellung.

Stücke aus der derzeitigen Werkschau von Fabian Vogler. Fotos: Schlüter

Schobüll ist der einzige Ort an der Westküste, an dem man in die Nordsee springen kann, ohne zuvor einen Deich erklimmen zu müssen. Und so kommt es, dass Hans-Heinrich Lüth jeden Tag von seinem Fenster aus einen malerischen Ausblick genießen kann. Unter dem Reetdach seines Eltern-hauses, einer 228 Jahre alten Fischerkate im Ortsteil Halebüll, betreibt er seit 33 Jahren eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst. Namhafte Künstler stellen ihre Werke bei ihm aus, meist für einen Zeit-raum von vier Wochen – dann schafft er Platz für etwas Neues. So zeigte der nordfriesische Bild-hauer Fabian Vogler im Mai Reliefs und Plastiken aus Bronze. Darunter auch Figuren seiner viel be-achteten PRINCE_SS-Serie, die laut Ausstellungskatalog „in ihrer geschlechtlichen Vielfalt den gan-zen Kosmos an Möglichkeiten des Seins und Empfindens offenbaren“. Dieses stilvoll gestaltete Heft stammt übrigens auch aus dem Hause Lüth, denn vor 30 Jahren traf der Inhaber eine wegwei-sende Entscheidung: Ergänzend zur Galerie gründete er den pictus-Verlag mit dem Ziel, die Publika-tionen für die Ausstellungen künftig selbst zu erstellen – idealerweise in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Künstler, um stets ganz nah dran zu sein an dessen Thema.
Die fühlbare Anerkennung für diese Weitsicht und der gute Ruf, den sich die Galerie in mehr als drei Jahrzehnten erworben hat, lassen Hans-Heinrich Lüth täglich gerne seiner Arbeit nachgehen. Blickt er auf die Anfänge zurück, so denkt er an den introvertierten Vater, der ihn mit guter Litera-tur vertraut machte und den er oft Klavier spielen hörte. An seine Ausbildung zum Buchhändler und nicht zuletzt an die Begegnung mit Günter Grass in einer Itzehoer Buchhandlung. Ihm kaufte Lüth, der damals dort tätig war, ein Kunstwerk ab – die erste Graphik seines Lebens, auf die im Lau-fe der Zeit noch viele andere schöne Dinge folgen sollten.
Und so kam es, dass er trotz aller Leidenschaft für den erlernten Beruf davon zu träumen begann, eines Tages selbst eine Galerie zu besitzen und sich mit lauter schönen Dingen zu umgeben. Diese Idee setzte der Nordfriese 1985 in die Tat um, damals noch in der naiven Hoffnung, „möglichst we-nig zu arbeiten und davon leben zu können“. Dass seine erste Ausstellung mit einem Sammelsuri-um verschiedenster Werke nur ein paar Neugierige und Ortsansässige in die Galerie lockte, hielt ihn nicht davon ab, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu gehen. Auch wenn das viel Arbeit mit sich brachte. „Sieben Jahre gingen ins Land, bis ich ein stimmiges Konzept hatte und endlich einigermaßen von der Galerie leben konnte“, gibt er ehrlich zu.
Diese Anstrengungen haben sich bezahlt gemacht: 2010 wurde Hans-Heinrich Lüth mit dem Aner-kennungspreis der Hoyer-Stiftung ausgezeichnet. Dass ihn der Laudator als „kulturellen Leuchtturm der Region“ bezeichnete, freute den Geehrten ganz besonders: „Das ist genau das, was ich immer sein wollte.“ Seine Kundschaft besteht heute vornehmlich aus Kunstsammlern, die das Galeriepro-gramm aufmerksam verfolgen und sich kaum eine Vernissage entgehen lassen. Kunstwerke von hoher Qualität und zu dennoch erschwinglichen Preisen – darum geht es ihm.
Dennoch muss man kein großer Kenner der Szene sein, um die gezeigten Werke genießen zu kön-nen: „Jeder, der sich für das Besondere interessiert, ist herzlich willkommen“, sagt der Galerist, dessen Türen mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr offen stehen. „Kunst muss nicht schön sein, sie muss uns berühren. Das Hingucken ist wichtig. Es schult unsere Augen.“ Mit diesen Worten möchte er allen Mut machen, sich mit der Materie zu beschäftigen.
Im Mai und Juni zeigt der Flensburger Zeichner, Maler und Grafiker Hans-Ruprecht Leiß seine neu-esten Werke. Das Sommerprogramm gestaltet der in Brandenburg lebende Bildhauer Lothar Seru-set. Im September wird Philine Fahl in Halebüll Grafiken und Skulpturen präsentieren, im Oktober ist die Bredstedter Künstlerin Inge Wilkens zu Gast, im November der Däne Ken Denning und bis zum Jahresende Friedel Anderson und Falko Behrendt.
Auf die Frage, ob er nicht auch selbst gerne künstlerisch tätig wäre, antwortet Lüth erfrischend ehrlich: „Ich hatte früher viel Spaß an realistischen Zeichnungen – habe aber schnell begriffen, dass ich nie so gut sein kann, wie die Leute, die bei mir ausstellen.“

Infos zur Galerie und zum Verlag gibt es im Internet unter www.galerie-lueth.de

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