Friesentöpferei

30.05.2018

Jeder Ofen ist eine Vision

Gisela Rerup und Jens Maß vor dem Grundofen in ihrer Werkstatt. Fotos: Schlüter

Kranz und Krone sorgen oben auf dem Ofen für einen stilvollen Abschluss.

Ein schönes Beispiel für einen runden Grundofen.

Als Gisela Rerup vor 25 Jahren die Friesentöpferei in Niebüll gründete, lag der Fokus der Meister-Keramikerin noch auf der Drehkeramik. Doch dann kam eine Anfrage, die alles änderte: Ob sie wohl auch Ofenkacheln für schwedische Repliken herstellen könnte? „Diese Idee begründete den bau-keramischen Zweig der Friesentöpferei“, erinnert sich Gisela Rerup.
Als sechs Jahre später ihr Partner Jens Maß dazu stieß, wurde aus dem einstigen Bauleiter sehr bald ein versierter Fachmann für die Gestaltung von Kachelgrund-öfen.
Längst sind beide leidenschaftliche Befürworter dieser Öfen, deren Name im Übrigen darauf zu-rückzuführen ist, dass die Holzscheite direkt auf dem Grund des Ofens verbrannt werden. In ihrem privaten Wohnzimmer steht so ein Ofen – in Türkisblau. „Das ist ein Ausnahmestück, denn zu 99 % wünschen sich die Kunden weiße Kacheln. Das ist grundsätzlich auch die beste Wahl“, sagt Jens Maß, denn: „Bei dieser Farbgebung fügen sich die Öfen unauffällig in bestehende Räume ein und überstehen im Laufe der Jahrzehnte problemlos jeden neuen Deko-Trend.“ Von der Form her sind runde und eckige Öfen gleichermaßen beliebt, ab und zu werden beide Formen kombiniert.
„Bei uns gibt es nichts von der Stange. Wir liefern echte Unikate“, betont Maß, der alle Kacheln individuell herstellt. Meist schlicht, auf besonderen Wunsch aber auch mit Wappen, Blumen, Schriftzeichen oder Motiven in Relieftechnik verziert. Manche Öfen bekommen oben als Abschluss eine Motivkrone, sofern keine klaren Formen gewünscht sind, die ohne jedes schmückende Bei-werk auskommen.
In der Regel sind zur Herstellung einer Kachel zehn Arbeitsschritte notwendig: Zuerst wird der Wes-terwälder Ton zu 1,5 cm starken Platten gewalzt. Daraus schneidet Maß Teilstücke, die sich zum Einformen in die Gipsformen eignen. Nach dem Einformen schneidet er die Überhänge ab. Weil der Inhalt über Nacht leicht antrocknen muss, wird die Form abgedeckt. Am Tag darauf sind die Kachelblätter in einem „lederharten“ Zustand, so dass die Stege mittels Schlicker (Tonmatsch) auf der Rückseite montiert werden können. Am dritten Tag werden die Kachelrohlinge aus der Form genommen und versäubert. Mit Hilfe von Messer und Schaber wird die Oberfläche geglättet und geputzt. Nach weiteren zehn Tagen im Trockenregal sind die Kacheln „lufttrocken“ und wandern für den Schrühbrand bei 960° C in den Brennofen. Danach werden sie geschliffen und glasiert und kommen dann noch einmal bei 1.060° C in den Glattbrand. „Insgesamt dauert die Herstellung der Kacheln etwa acht Wochen“, erklärt Jens Maß.

Vor der Arbeit kommt die Planung


Doch bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht, schaut sich der Fachmann den künftigen Stand-ort des Ofens an, denn das gewünschte Format muss in Leistung und Optik zur jeweiligen Raum-größe passen. Auch der Dämmzustand des Hauses spielt eine Rolle. So sind Grundöfen aufgrund ihres hohen Wirkungsgrades eine ideale Ergänzung für Niedrigenergiehäuser. Im Vergleich zum Kaminofen erwärmen sie nicht die Luft, sondern die Oberflächen im Raum. Der Grundofen nimmt die Energie über das innenliegende, schamottierte Zugsystem auf und gibt die so gespeicherte Wärme über die Kacheln in den Raum ab … je nach Bauart 10 bis 16 Stunden lang. Sofern Holz in guter Qualität und mit einer Kernfeuchte von unter 16 % verfeuert wird, muss es nur ein- bis zwei-mal pro Tag nachgelegt werden. Nicht nur für Allergiker interessant ist auch die Tatsache, dass auf der keramischen Oberfläche im Gegensatz zum eisernen Kaminofen kein Hausstaub verbrannt wird und deshalb auch nicht in die Atemluft gelangt. Weil das Holz fast restlos verbrennt, kann bei einem Grundofen auf das sonst übliche Aschefach verzichtet werden. Echte Überzeugungsarbeit leistet auch seine Energiebilanz, denn er braucht deutlich weniger Holz als ein Kaminofen.
Neben der Nachhaltigkeit schätzt Jens Maß vor allem die Langlebigkeit: „Von der Anschaffung eines Grundofens profitieren mehrere Generationen.“ Seiner Meinung nach geht es dabei immer auch um eine Vision. „Diese Vision setzen wir gerne gemeinsam mit dem Kunden und einem versierten Ofensetzer in die Tat um.“ Interessierte berät er in der Friesentöpferei in Niebüll und vor Ort. 

 
www.friesentoepferei.de

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