Tom Büttner erfüllt sich einen Kindheitstraum

03.05.2018

Der mit den Wölfen ...

Fotos: Sabine Büttner

„Der Mensch sollte sein Essverhalten vom Bären, sein Sozialverhalten vom Wolf abgucken“, weiß Tom Büttner und fragte sich schon als Kind von Märchen fasziniert, „warum ist der Wolf immer so böse dargestellt, immer als Einzelgänger?“ 

Büttner selbst wuchs in Dresden als Einzelkind auf, saß in der DDR in politischer Einzelhaft: Sein Vater war an der Kunstakademie, dem Regime unangenehm geworden und Toms Inhaftierung diente als Druckmittel, die Akademie zu verlassen. 1984 wurde Tom aus der DDR „rausgeschmissen“ und wurde selbst Einzelgänger.
Der gelernte Steinmetz und studierte Bildhauer ist freiberuflicher Künstler. Hat viel geschafft und viel geschaffen von Holz-, Metall- und Steinarbeiten über Erwachsene bildende Bildhauerkurse. Ist immer effektiv und fertigt immer – wie passend- Unikate. Dass er selbst eines ist, wird sofort klar. Büttner ist stolz auf sein autarkes Leben in Mittelangeln und hat sich inmitten eines Landschaftsschutzgebietes mit seinem Eldorado einen Traum erfüllt, den er nun mit seinen zwei Halbwölfen komplett gemacht hat.
„Bori“ und „Aimie“ – zwei Karpatenwolf-/ Schäferhundmischungen mit hohem Wolfsanteil gehören seit 2016 zum Rudel der Büttners. Ursprünglich wurde der Wolf-Schäferhund-Mix ab ca. 1958 als Tschechoslowakischer Wolfshund für das Militär gezüchtet für Grenzschutzdienst- und Fährtenarbeit.
Sabine und Tom Büttner sind mit Hundehaltung vertraut und erfahren. Tschecheslowakische Wolfshunde zu halten und wie Büttners in das Haus zu integrieren, erfordert allerdings eine Menge Ahnung und Verständnis, da sie mit viel ursprünglicheren, stärkeren Sinnen als der Hund ausgestattet sind.
Schon früh, als junge Welpen, kamen die beiden Halbwölfe in den Haushalt mit großem Außengehege, damit sie gut sozialisiert werden. Mit viel Ruhe, Liebe, Durchsetzungsvermögen und glasklarer Kommunikation geht Tom an die Wölfe heran. Denn wenn er zweifelt, zweifelt der Wolf.

Wölfe in freier Wildbahn leben in einer dem
Menschen ganz ähnlichen Familienstruktur
zusammen und sind soziale Wesen

Seit dem Jahr 2000 leben wieder Wölfe in Deutschland und sind sowohl durch internationales, europäisches als auch deutsches Recht geschützt. Wölfe besitzen in Deutschland den höchstmöglichen Schutzstatus. Dem Wolf steht bis jetzt in Deutschland das Recht auf ein unversehrtes Leben zu.
Allerdings hält sich hartnäckig die Mär vom „bösen Wolf“. Und genau damit will Tom Büttner aufräumen und betreibt „stille Politik“. Er sucht bewusst die Begegnung mit den Menschen, geht durch die Innenstadt mit dem Halbwolf spazieren und beantwortet geduldig Fragen von Interessierten. Er will die Ähnlichkeit zwischen Wolf und Mensch zeigen:
Rudel = Familie, also Mutter, Vater, Kinder: Wölfe in freier Wildbahn leben in einer dem Menschen ganz ähnlichen Familienstruktur zusammen und sind soziale Wesen. Sie können ganz feinabgestimmte Partner sein, wenn es um die Kooperation mit Menschen geht. Die Kooperationsfähigkeit des Hundes ist direktes Wolfserbe. Aber die Bedingungen müssen stimmen. Man kann einen Wolf zu nichts zwingen, er muss immer einsehen warum. Er ist ein Partner auf Augenhöhe. Wölfe haben sehr viel flachere Dominanzvorstellungen im Gehirn als Hunde. Bewiesen ist, dass in Gebieten in denen der Wolf lebt, die Natur reichhaltiger ist, die Kleintierfauna sich verbessert, die Artenvielfalt zunimmt. Die Natur profitiert vom Dasein der Wölfe.
Als Journalistin bin ich es gewohnt, mein Gegenüber zu beobachten. Hier werde ich genau taxiert und jede noch so kleine Bewegung registriert. Sabine Büttner meint scherzhaft, sie habe sich an diese knisternde Wachsamkeit gewöhnt und frage sich nur noch, wann der Wolf das Abendessen für alle kocht, so genau wie er jedes Detail ihrer Bewegung verfolgt. Wölfe interessieren sich für das was wir tun genauso wie Hunde, aber sie machen mehr draus, sind in der Lage kausale Beziehungen zu erkennen.
Die Halbwölfe und ich begegnen uns mit gegenseitigem Respekt. Der Rüde, der deutlich größer und athletischer als ein Schäferhund ist, strahlt eine wissende Gelassenheit aus und dennoch bin ich für alle Tipps dankbar, was ich lieber nicht tun sollte. Hektische Bewegungen zum Beispiel. Ich werde scheu beäugt, während das „Herrchen“ von extremer Leistungsfähigkeit, Orientierungssicherheit und überragender Ausdauer der Wölfe schwärmt. Nun bin ich um eine zutiefst beeindruckende Begegnung der tierischen Art reicher und bei der Beobachtung von Halbwolf und Gesprächspartner Tom Büttner kommt es unweigerlich zu simultanen Erkenntnissen.

"Der Mensch sollte sein Essverhalten vom Bären,
sein Sozialverhalten vom Wolf abgucken"

Der Kontakt zu dem Büttnerschen Wolfshundrudel ist ausdrücklich gewünscht und Besuche nach vorheriger Absprache möglich. Besonders nah heran kommen Gäste des Ferienhauses Eldorado, das von Sabine und Tom Büttner betrieben wird. Ihr Anwesen existiert seit circa 1886. Das gesamte Grundstück ist ca. 11.000 qm groß und mit 5 Naturseen versehen. Der größte Teich ist 2500 qm groß und 100 m lang. Ein Badeteich mit Stegen und Sandstrand liegt direkt vor der Terrasse der Ferienräume.
Gäste aus ganz Europa und sogar Israel fanden schon den Weg in das Eldorado nach Mittelangeln. Geschmackvoll ländlich dekorierte Räume, die der Handschrift der Fotografin Sabine Büttner entsprechen und überall künstlerisch Erarbeitetes von Tom Büttner. Individualurlaub plus Wolfshundbegegnung - www.ferienhaus-eldorado.de

Tipps bei Begegnung mit einem Wolf in der Natur: www.wolf-sachsen.de/de/wolf-mensch-begegnung

Interessantes Interview mit Kurt Kotrschal, Verhaltensbiologe und Gründer des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn bei Wien: youtu.be/r4yzQQI4mG4

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